

Der Hinkelsturm in der Altstadtanlage.
AUSGABE NR. 7 · FREITAG, 7. AUGUST 2026
Ei gude! ☕
Das hier ist das letzte Ferienwochenende, am Montag beginnt das neue Schuljahr. Drei Tage bleiben also noch, und die haben es in sich.
Heute drin:
Die Altstadtanlage ist bis Frühjahr 2027 gesperrt, Archäologen begleiten die Arbeiten
Morgen, 13 Uhr: die Lilien starten, beim Neuen ist die Startelf offen
Kerb in Eberstadt, Opernfinale auf der Mathildenhöhe
Schulstart am Montag, dazu hohe Waldbrandgefahr über dem Grillwochenende
Zum Schluss: eine Seeschlacht in einer Stadt ohne Fluss
▌ DER AUFMACHER
Wo Darmstadt seine Altstadt aufbewahrt
Vergangene Woche stand die Altstadtanlage hier als Dreizeiler: Spatenstich am 29. Juli, gesperrt bis Frühjahr 2027. Jetzt beginnt der eigentliche Umbau, und je genauer man hinschaut, desto mehr wird daraus die interessanteste Baustelle der Stadt. Denn die Anlage, der grüne Bogen zwischen Innenstadt und Woogsviertel rund um das Justus-Liebig-Haus, ist nicht einfach eine Wiese.
Ein großer Teil von ihr ist in Wahrheit ein Dach: Unter dem Grün liegt die Tiefgarage des Justus-Liebig-Hauses, begrünt Ende der Siebziger, lange bevor jemand Gründach dazu sagte. Und im echten Boden daneben liegt das alte Darmstadt, Reste der Stadtmauer, am Rand steht der Hinkelsturm. Deshalb baut hier nicht nur eine Baufirma, die hessenARCHÄOLOGIE begleitet die Arbeiten und dokumentiert, was zum Vorschein kommt.
Bis zum Frühjahr 2027 entsteht auf den rund 6.500 Quadratmetern ein neues Stück Stadtgrün: 1.400 Quadratmeter Staudenflächen, 100 Quadratmeter offene Sandflächen als Nistplatz für Wildbienen, über 150 neue Sträucher und, das steht wirklich so in der Mitteilung, genau ein neuer Baum. Dazu 1.700 Quadratmeter Natursteinpflaster, rund 300 Meter Sandsteinmäuerchen, Holzbänke, ein Leitsystem für Blinde und eine barrierefreie Rampe hinauf zum sogenannten Altstadtbalkon. Bezahlt wird zu gleichen Teilen von Bund, Land und Stadt.
Ich parke gern in der Tiefgarage darunter, auch sonntags mit der Familie, wenn wir zum Essen über das Dach zum Marktplatz gehen. Und jedes Mal denke ich, dass der Zustand da oben diesem Fleckchen nicht gerecht wird. Um manche Nachkriegsfassade rundherum würde ich, ganz persönlich, auch keine Träne weinen, aber das ist eine andere Baustelle. Deshalb freue ich mich auf diesen Umbau, und darauf, dass Darmstadt an dieser Stelle ein Stück schöner wird.
Das heißt für dich: Wer die Anlage als grüne Abkürzung zwischen Innenstadt und Woogsviertel nutzt, plant bis Frühjahr 2027 anders, fertige Abschnitte sollen nach und nach wieder öffnen. Und wer sehen will, was da entsteht: Die komplette Entwurfsplanung mit allen Ansichten und Schnitten liegt als PDF (4 MB) auf den Seiten der Stadt.
▌ DAS WOCHENENDE (7.–9. AUGUST)
Zwei Dinge laufen dieses Wochenende parallel: In Eberstadt feiert das Viertel seine Kerb, das traditionelle Fest zur Kirchweih, vier Tage lang. Und auf der Mathildenhöhe gehen die Residenzfestspiele mit zwei Opernabenden zu Ende. Karten dafür gibt es über residenzfestspiele.de. Die Kerb kostet keinen Eintritt.
Korrektur vom 7. August: In der versendeten Fassung stand als Ort der Kerb die Grillhütte. Das war falsch, gefeiert wird im Haus der Vereine in der Oberstraße und drumherum in der Ortsmitte. Danke an Claudia für den Hinweis.
FREITAG, 7. AUGUST
Kerb-Eröffnung, Haus der Vereine, Oberstraße 16 · 19 Uhr. Vier Tage lang übernimmt das Viertel seine Ortsmitte.
Italienische Opernnacht, Zusatzkonzert, Mathildenhöhe · Einlass 19.30, Beginn 20.30 Uhr · ab 28 €. Zum 125. Todesjahr Giuseppe Verdis, mit Szenen unter anderem aus Rigoletto und Nabucco. Das Zusatzkonzert kam erst dazu, weil das Interesse am Original-Termin so groß war.
SAMSTAG, 8. AUGUST
SV 98 gegen Holstein Kiel, Merck-Stadion am Böllenfalltor · 13 Uhr. Der erste Pflichtspieltag der Saison, Tickets über sv98.de. (Mehr dazu unten in der Lilien-Watch.)
Kerb, Tag zwei, Ortsmitte Eberstadt · Flohmarkt in der Oberstraße, dazu Puppentheater und ein Seniorennachmittag; Uhrzeiten nennt die ausrichtende Interessengemeinschaft noch nicht. Die kostenlosen Karten für beides gibt es in der Bezirksverwaltung Eberstadt.
Musical Night: Songs for a Better World, Mathildenhöhe · Einlass 19.30, Beginn 20.30 Uhr · ab 22 €. Erstmals in der Geschichte der Festspiele eine Musical-Gala, mit Solisten, Chor und Band.
SONNTAG, 9. AUGUST
Italienische Opernnacht, Mathildenhöhe · Einlass 19.30, Beginn 20.30 Uhr. Der große Festspielabschluss, ausverkauft, Restkarten gibt es nur noch an der Abendkasse.
Kerb, Tag drei, Ortsmitte Eberstadt · der Kerbeplatz gehört auch am Sonntag dem Viertel, ein festes Tagesprogramm gibt es dafür nicht.
Robert Zandvliet: „Paradaidha", Kunsthalle am Steubenplatz · 11 bis 17 Uhr · 12 €, ermäßigt 7 €. Malerei über die Idee des Gartens, noch bis zum 30. August. Geöffnet ist Mittwoch bis Sonntag, das Wochenende über also durchgehend.
Wenn ich an diesem Wochenende nur zu einer Sache gehen dürfte, wäre es die Kerb-Eröffnung am Freitagabend. Nicht weil dort etwas Besonderes passiert, sondern weil genau das der Punkt ist: ein ganzes Viertel trifft sich auf einem Platz, ohne Programm, das einen zu etwas zwingt.
▌ SCHON VORMERKEN
Mo, 10. August, 10.30 Uhr: Kerbemontag. Traditioneller Frühschoppen im Haus der Vereine, Oberstraße 16, der Abschluss der viertägigen Kerb.
Sa, 15. August: Darmstädter Christopher Street Day. Die Regenbogenfahne am Rathaus weht schon seit Ende Juli, mehr dazu nächste Woche.
▌ KURZ & KNAPP
Am Montag beginnt das neue Schuljahr. Wann die Erstklässler dazukommen, legt jede Schule selbst fest, oft ist die Einschulungsfeier am Dienstag; die Schulhomepage weiß es genau. Praktisch für den Schulweg: Der Ferienfahrplan der HEAG mobilo läuft am Sonntag aus, ab Montag fahren Busse und Bahnen wieder nach regulärem Plan. Und in zwei Jahren gibt es eine Grundschule mehr: An der Albert-Schweitzer-Anlage wächst seit Anfang Juni eine neue für rund 250 Kinder, dreigeschossig in Holzhybrid-Bauweise, fertig im Sommer 2028. Gebaut wird sie, weil rund um Marienplatz und Holzhofallee so viele Wohnungen dazukommen.
Diesmal geht es auch um den Baum vor deiner Tür. Wegen der anhaltenden Trockenheit bittet Grünflächen- und Umweltdezernent Michael Kolmer darum, die eigenen Gartenbäume ausreichend zu wässern, rund 100 Liter pro Baum und Woche. Und die Stadt freut sich, wenn dabei die städtischen Bäume in der Nachbarschaft mit drankommen. Leitungswasser aus der Gießkanne ist vom Entnahmeverbot übrigens nicht betroffen, das gilt nur für Bäche, Teiche und Seen.
Im Wald ist es gefährlich trocken. Der Deutsche Wetterdienst führt Darmstadt in einer der beiden höchsten Waldbrand-Warnstufen, und das trifft ausgerechnet ein Wochenende, an dem viele draußen sind: Außerhalb der ausgewiesenen Grillplätze darf kein Feuer angezündet werden, auch nicht an der Grube Prinz von Hessen. Die Stadt behält sich vor, die Grillplätze ganz zu schließen. Die Stufe wird täglich neu berechnet, beim Deutschen Wetterdienst steht der aktuelle Stand für Hessen.
▌ DER GRUSS
Die Heinerpost grüßt diese Woche die Interessengemeinschaft Eberstadt, die ab heute Abend vier Tage lang die Kerb in der Ortsmitte stemmt, und mit ihr das halbe Viertel, das sich dort versammelt.
▌ BAUSTELLEN & BAHN
Die Kreuzung Kasino-/Bismarckstraße wird modernisiert. Seit gestern bekommt die Ampelanlage neue Signalgeber, dazu akustische Signale und taktile Anforderungstaster an allen Fußgängerüberwegen. Mit Behinderungen im Innenstadtbereich ist zu rechnen.
Der Sommerferien-Fahrplan der HEAG mobilo läuft noch bis 9. August. Auch die Einschränkungen der Linie R an der Kreuzung Rüdesheimer Straße/B3 (fünf entfallene Haltestellen, stand vergangene Woche hier) laufen nur noch bis Sonntag. Wer Linien mit Anpassungen nutzt, schaut vorher in die aktuellen Meldungen der HEAG mobilo.
▌ LILIEN-WATCH
Morgen, 13 Uhr, ist die Sommerpause vorbei: erster Spieltag, die Lilien (so nennt Darmstadt seinen SV 98) empfangen Holstein Kiel im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Mittendrin Hojae Lee, der neue Stürmer aus Pohang, seit gut einer Woche in der Stadt, vergangene Woche habe ich ihn dir hier vorgestellt. Ob er von Anfang an spielt, zeigt sich morgen. Kiel kennt er nicht, die Liga auch nicht. Beim 0:0 gegen Portsmouth zur Generalprobe öffnete in der Haupttribüne übrigens zum ersten Mal die neue Trinkhalle, und die U21 ist schon gestartet, mit einem 5:1 beim CSC 03 Kassel.
▌ AUS DEN VIERTELN: WIXHAUSEN
Darmstadts nördlichstes und kleinstes Viertel wird gern übersehen, dabei gibt es gerade gleich zwei Nachrichten von dort. Das Lästige zuerst: Die Vollsperrung der Trinkbornstraße endet nach Plan der HEAG mobilo heute, ab Samstag halten die Busse in Wixhausen wieder regulär.
Das Erfreuliche ist größer und dauerhafter: An der Georg-August-Zinn-Schule hat die Stadt im Februar den Grundstein für einen Mensaneubau gelegt, fertig werden soll er nach damaligem Plan im letzten Quartal dieses Jahres. Kein Wochenend-Ereignis, aber eins, das bleibt.
Dein Viertel tut was und keiner schreibt drüber? Sag Bescheid.
▌ ZUM SCHLUSS
Der Bach, der zum See wurde
Im Sommer 1654 stand am Ostufer des Großen Woogs eine hölzerne Burg, eigens für diesen Abend gebaut. Vom Wasser her kam, was an diesem Abend ein Kriegsschiff sein sollte, und griff an. Die Burg wehrte sich mit allem, was zischte und knallte, über dem Teich brannte ein Feuerwerk. Anlass soll die Taufe eines Prinzen gewesen sein. Eine nachgespielte Seeschlacht auf einem Teich, in einer Stadt ohne Fluss.
Den Teich gab es da seit knapp neunzig Jahren, und gedacht war er nicht zum Vergnügen. 1567 ließ man den Darmbach aufstauen, damit die Hofküche Fische hatte, die Mühlen Druck und die Stadt einen Vorrat für den Brandfall. Wer heute im Woog seine Bahnen zieht, zieht sie in einem Fischteich.
Der See war immer zu etwas gut. Als die Feste vorbei waren, kam die nächste Verwendung: Bis in die 1930er Jahre sägten Männer im Winter Eisblöcke aus ihm heraus, für die Kühlkeller der Brauereien.
Der Bach war es nie. Solange er offen durch die Stadt lief, nahm er auch ihre Abwässer auf, und die Darmstädter nannten ihn, was er für sie war: „Schlimmer Graben". 1786 wölbte die Stadt ihn zu, und damit war die Sache erledigt.
Heute merkt man von ihm auch nichts. Er kommt aus dem Ostwald, füllt den Woog, und zweihundert Meter dahinter verschwindet er im Kanal und gilt von da an als Abwasser. Darmstadt hat keinen Fluss, keine Brücke, unter der Wasser fließt. Das bisschen Wasser, das es hat, liegt unter der Stadt.
Ein paar Darmstädter haben einen gleichnamigen Verein für ihn gegründet und führen Interessierte an die Stellen, wo er verschwindet. Sie wollen ihn zurück ans Licht holen. Im Rathaus liegt die Idee seit Jahren auf Eis, einen Grund nennt öffentlich niemand.
In einem Sommer, in dem aus Bächen und Seen kein Wasser mehr entnommen werden darf, klingt das nicht nach Nostalgie. Der See ist geblieben. Der Bach wartet noch.
Die Zahlen dazu: Der Verein rechnet mit rund 7 Millionen Euro für die Trennung von Bach und Kanal und mit gut 1,7 Millionen Euro Ersparnis im Jahr. Ihn gibt es seit 2008, die Stadtverordneten nahmen die Planung zuletzt 2013 wieder auf. Was die Stadt heute mit dem Regenwasser vorhat, steht beim Projekt „Schlaues Wasser", das Prinzip Schwammstadt erklärt das Umweltbundesamt. Zum Weiterlesen: Der Große Woog im Darmstädter Stadtlexikon · Der Darmbach im Darmstädter Stadtlexikon
Das war die Heinerpost Nr. 7.
Tu mir einen Gefallen und leite diese Mail an einen Heiner weiter, der Darmstadt mag wie du. So wächst das hier, ganz ohne Algorithmus, von Nachbar zu Nachbar.
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Bis nächsten Freitag,
Max ⚜️