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AUSGABE NR. 11 · FREITAG, 4. SEPTEMBER 2026

Ei gude! ☕

Seit Mittwoch steht am Carree, mitten in der Innenstadt, ein Holzbau, der am 20. September wieder verschwindet. Warum er ausgerechnet hier steht, hat mit einem Januarabend in der Centralstation zu tun. Dazu ein Spätsommerwochenende, an dem in der Innenstadt kaum ein Meter frei bleibt.

Heute drin:

  • Weltdesign am Carree, und warum das kein Zufall ist

  • Hitzeschutz an Schulen: was die Stadt ankündigt, was Fraktionen verlangen

  • Zwei bange Stunden im Satellitenkontrollzentrum

  • Weinfest, Siedlerkerb, Umweltmarkt, Fahrradtag

  • Kultur: Jazz-Auftakt, Butoh im Wald, Orgel zum Wein

DER AUFMACHER

Das Designjahr hat hier angefangen. Jetzt hört es hier auf.

Am Mittwoch ab 16 Uhr hat am Carree, mitten in der Innenstadt, ein Pavillon aufgemacht: ein modularer Holzbau des Architekturnetzwerks Constructlab, der bis zum 20. September bleibt, geöffnet mittwochs bis sonntags von 10 bis 20 Uhr. Er gehört zum Jahr World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026, und er ist die sechste und letzte Station einer Tour, die im April in Bad Homburg begann und über Kelkheim, Offenbach, Wiesbaden und den Rheingau hierher gekommen ist.

Damit schließt sich eine Klammer, die viele übersehen haben: Angefangen hat dieses Design-Jahr nämlich auch in Darmstadt. Am 16. Januar wurde die World Design Capital 2026 mit dem Grand Opening in der Centralstation eröffnet, mit Grußworten des Oberbürgermeisters. Der Titel gehört der ganzen Region, nicht einer Stadt. Aber Anfang und Ende stehen beide hier, und das eine ist 250 Meter vom anderen entfernt.

Zufall ist das nicht. Auf der Mathildenhöhe gründete Großherzog Ernst Ludwig 1899 eine Künstlerkolonie, bis 1914 arbeiteten dort 23 Mitglieder, Herzstück war das Ernst-Ludwig-Haus von Joseph Maria Olbrich. Seit dem 24. Juli 2021 steht das Ensemble auf der Welterbeliste der UNESCO, begründet als Zeugnis der frühen Moderne: klare Linien, reduzierte Ornamentik, Flachdächer, Jahre bevor das Bauhaus daraus eine Schule machte. Wer ein Design-Jahr in dieser Region anfangen und beenden will, kommt an dieser Stadt schwer vorbei.

Und die Idee, sich überhaupt um diesen Titel zu bewerben, kam ebenfalls von hier. 2014 warb die Werkbundakademie Darmstadt mit Flyern auf Frankfurter Veranstaltungen für eine Bewerbung, zu einer Zeit, in der die meisten erst einmal nachschlagen mussten, was eine World Design Capital überhaupt ist. Erst Ende 2020 bekam die Bewerbung eine Frankfurter Projektleitung. Ich gebe zu, das beeindruckt mich mehr als der Pavillon selbst. Ein paar Leute ziehen 2014 mit Flyern los, und niemand kann ihnen sagen, ob je etwas daraus wird. Zwölf Jahre später steht das Ergebnis am Carree, und jeder darf mitmachen. Ich glaube, so etwas entsteht nicht, weil jemand daran verdienen will, sondern weil jemand mitgestalten will. Menschen, die so etwas anschieben, bewundere ich.

In den neunzehn Tagen stehen über dreißig Termine im Pavillon, und fast alle sind zum Mitmachen statt zum Anschauen: Siebdruck und Taschenmanufaktur, ein Schulworkshop mit Augmented Reality, ein Pubquiz, zweimal Wanderkino, ein Fahrradkorso, Kinderprogramm, dazu Werkstätten zu Demokratie und Design. Dieses Wochenende: Freitag von 14 bis 17 Uhr „Mal was anderes“ und von 18 bis 20 Uhr „Tuft Together“, Samstag ein Poster-Workshop (10 bis 13 Uhr), die KinderKiste (13 bis 18 Uhr) und „Chess ’n Jazz“, barrierefreies Schachspielen mit Musik (18 bis 20 Uhr), Sonntag von 11 bis 18 Uhr der „Markt der schönen Dinge“. Am 19. September läuft dann „One Last Dance“, und danach ist nicht nur in Darmstadt Schluss, sondern mit der Tour insgesamt.

Das heißt für dich: Der Pavillon steht bis zum 20. September am Carree, geöffnet Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 20 Uhr, das komplette Programm auf wdc2026.org. Eintrittspreise nennt die Programmseite nicht. Und wenn du ohnehin in der Innenstadt bist: Der Weg zur Mathildenhöhe sind zwanzig Minuten zu Fuß, und das Welterbe ist ganzjährig da, ohne Pavillon.

AUS DEM RATHAUS

Hitzeschutz an Schulen. Niemand in Darmstadt erfasst zentral, wie heiß es in den Klassenräumen tatsächlich wird. Das steht in einem gemeinsamen Antrag von CDU, SPD, UFFBASSE und FDP, der eine stadtweite Messung der Raumtemperaturen fordert, allerdings erst für den Sommer 2027, ausgewertet bis zum Herbst. Bis dahin entscheidet jede Schulleitung selbst über den Hitzeschutz, obwohl sie laut demselben Antrag weder über den baulichen Zustand noch über die technische Ausstattung bestimmt. Die Antragsteller schreiben von Temperaturen regelmäßig über 30 Grad, in Spitzen bei 35 Grad und mehr, eine Zahl aus dem Antrag selbst, unabhängig geprüft ist sie nicht. Grüne und Volt hatten neun Tage vorher einen eigenen Antrag gestellt, der die städtische „Aktionsgruppe Hitze“ beschleunigen soll.

Die Stadt selbst hatte schon am 18. August eine dezernatsübergreifende Initiative angekündigt: Temperaturmonitoring, Schulungen für Hausmeister und Kita-Teams, Außenverschattung, langfristig Dach- und Fassadenbegrünung. Ziel sind messbare Verbesserungen bis zum Sommer 2027. Ausgerechnet die Schulen und Kitas, die in den nächsten ein bis drei Jahren ohnehin komplett saniert werden, bekommen vorerst keine kurzfristigen Maßnahmen; dort kommt der Hitzeschutz mit der Sanierung. Über beide Anträge stimmte die Stadtverordnetenversammlung am 27. August ab, das Ergebnis war zu Redaktionsschluss nicht öffentlich einsehbar.

Das heißt für dich: Für den laufenden Ganztag ändert sich diesen Herbst nichts. Verbindliche Regeln, ab wann eine Schule bei Hitze handeln muss, sollen frühestens zum Sommer 2027 stehen.

DAS WOCHENENDE (4.–6. SEPTEMBER)

Darmstädter Weinfest, noch bis Sonntag, Wilhelminenstraße. Freitag und Samstag von 12 bis 24 Uhr, Sonntag von 12 bis 21 Uhr. Ausgeschenkt wird von der Hessischen Bergstraße, aus Rheinhessen, dem Rheingau, der Pfalz, von der Nahe und aus Franken, dazu Gastronomie aus der Region. Vier Tage lang, aber nur am Sonntag kommt beides zusammen: Die Innenstadtgeschäfte öffnen von 13 bis 18 Uhr zum verkaufsoffenen Sonntag. Am Samstag ab 11 Uhr gibt es dazu das Schulstraßenfest in der Schulstraße, und der Lange Lui auf dem Luisenplatz ist zum Fest geöffnet, Samstag 17 bis 23 Uhr, Sonntag 13 bis 18 Uhr.

Siedlerkerb in der Heimstättensiedlung, Freitag bis Montag, Kerbplatz am Heimstättenweg 99. Kerb ist das Kirchweihfest, in Darmstadt vier Tage Viertelsfest mit allem Drum und Dran. Am Samstag von 13 bis 16 Uhr das Kinderspielfest mit Mitmachstationen, am Sonntag um 14 Uhr der Kerbeumzug, am Montag ab 11 Uhr der Frühschoppen. Ausgerichtet vom Bürger- und Kerbverein Heimstättensiedlung.

Go.BioFair auf dem Friedensplatz, Samstag, 10 bis 15 Uhr, Eintritt frei. Markt für Umwelt und Nachhaltigkeit mit rund 60 Ständen. Um 11 Uhr eröffnet Stadtrat Michael Kolmer und verleiht die Darmstädter Umweltdiplome, ab 12 Uhr spielt die Downtown Bigband.

15. Fahrradaktionstag auf dem Marktplatz, Sonntag, 11 bis 16 Uhr, kostenlos (die Fahrradwaschanlage kostet 5 Euro). Um 11:30 Uhr ist die Stadtradeln-Preisverleihung, in diesem Jahr erstmals zusammen mit dem Kindermobilitätstag.

KULTUR AM WOCHENENDE

Live!Jazz: Chris Hopkins, Piano Solo, Freitag, 19:30 Uhr, Evangelische Stadtkirche, Kirchstraße 11. Auftakt der Live!Jazz-Reihe. 20 Euro zuzüglich Gebühr, ermäßigt 10 Euro, an der Abendkasse 25 und 12,50 Euro.

Spurensicherung: Inkludo, Samstag, 15 Uhr, Theater Moller Haus, Sandstraße 10. Eine Performance des Theaterlabors INC.

Orgelkonzert „Im Rausch der Klänge“, Samstag, 18 Uhr, in der Kuppelkirche St. Ludwig. Steht im Begleitprogramm des Weinfests, ein paar Schritte von der Weinmeile entfernt. Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.

Club der Zukunft: Kollektive Resonanz, Samstag, 18 Uhr, Centralstation. Eine interaktive Klanginstallation, aus der im Lauf des Abends eine Tanznacht wird, Teil der World Design Capital 2026.

13. Internationaler Waldkunstpfad, Samstag und Sonntag. Der Pfad zwischen Böllenfalltor und Ludwigshöhe läuft noch bis zum 4. Oktober, der Besuch ist frei. Am Samstag um 16 und um 18 Uhr tanzen Rosel Grassmann und Anna Orkolainen im Waldkunstdorf „Die Botschafterin des Waldes“, eine Performance im japanischen Ausdruckstanz Butoh. Am Sonntag um 17 Uhr spielen Eric Leonardson und Bidisha Das direkt an ihren Kunstwerken. Öffentliche Führungen laufen an beiden Tagen um 15 Uhr ab Infostand, 8 Euro.

SCHON VORMERKEN

Fr, 11. September: Rundgang und Gespräch mit Künstlern und Sammlern, Galerie Netuschil, Schleiermacherstraße 8, 19 Uhr, 6 Euro inklusive Getränk.

KURZ & KNAPP

Am Donnerstag stand im Satellitenkontrollzentrum ESOC das Manöver an, an dem die Merkur-Mission BepiColombo hängt. Nach acht Jahren Flug sollte sich um 14 Uhr das Transfermodul abtrennen, der Antrieb, der die Sonde bisher durchs Sonnensystem geschoben hat. Das Bestätigungssignal wurde für 15:53 Uhr erwartet, die ESA hat den Vorgang aus Darmstadt live übertragen. Zwei Stunden, in denen im Kontrollraum an der Robert-Bosch-Straße niemand etwas tun kann außer warten.

Im Westen der Stadt wurde erneut eine Asiatische Tigermücke nachgewiesen, laut Stadt ein Einzelnachweis, Hinweise auf eine dauerhafte Population gibt es nicht. Damit eine Tigermücke einen Erreger überträgt, muss sie ihn zuvor bei einem infizierten Menschen oder Tier aufgenommen haben, das Risiko gilt derzeit als gering. Stadt und Land raten trotzdem: stehendes Wasser in Regentonnen, Untersetzern und Gießkannen vermeiden oder abdecken.

Seit dem 1. September sichern rund 120 Leitzeichen den Schulweg an der Elly-Heuss-Knapp-Schule, dieselbe Maßnahme lief zuvor schon an der Friedrich-Ebert-Schule. Verkehrsdezernent Paul Georg Wandrey bittet Eltern zusätzlich, nicht direkt vor der Schule ein- und auszusteigen.

DER GRUSS

Die Heinerpost grüßt diese Woche die Fahrradwaschanlage auf dem Marktplatz.

BAUSTELLEN & BAHN

Arheilgen, Fuchsstraße: Wegen der Bauarbeiten in der Jakob-Jung-Straße ist die Haltestelle noch bis einschließlich Freitag verlegt, nicht erst ab dann. Die Linie AH hält in Fahrtrichtung Arheilgen Bahnhof ersatzweise an der Straßenbahnhaltestelle in der Frankfurter Landstraße, bei den Schulfahrten der Linie FM entfällt „Fuchsstraße“ Richtung Stadtteilschule ganz. Ab Samstag wieder Normalbetrieb.

Kranichstein, Siemensstraße: Wegen Kanalarbeiten in der Jägertorstraße ist die Haltestelle bis zum 4. Dezember verlegt: Linie H hält ersatzweise in der Kranichsteiner Straße, der Schulbus (Linie FM) in der Bartningstraße, Höhe Tankstelle. Ein ganzer Herbst Umgewöhnung, nicht nur ein paar Tage. Alle Meldungen stehen bei HEAG mobilo.

⚜️ AUS DEN VIERTELN, MARTINSVIERTEL

Zwei Dinge diese Woche aus dem Martinsviertel, ein neues und ein sehr altes. Das neue: In der Baas Halle in der Pankratiusstraße 35 hat der BoxKlub Martinsviertel aufgemacht, kostenlos, für 12- bis 21-Jährige, die Ausrüstung stellt der Klub. Der Tag der offenen Tür war am Donnerstag, das regelmäßige Training beginnt eine Woche darauf, also ab dem 10. September. Getragen wird das Angebot vom SV Darmstadt 98, dem Verein Rope und der Jugendförderung der Stadt, umgesetzt wird es von Rope.

Das alte: Vom 11. bis 14. September steigt die 76. Martinskerb, im Viertel „Watzekerb“ genannt, auf dem Riegerplatz und den umliegenden Plätzen. 76 Ausgaben sind eine Zahl, die sich niemand ausdenkt, die zählt nur mit. Das genaue Programm hat der Bezirksverein Martinsviertel zu Redaktionsschluss noch nicht veröffentlicht, mehr dazu also in der nächsten Ausgabe.

Dein Viertel tut was und keiner schreibt drüber? Sag Bescheid.

LILIEN-WATCH

Neuzugang bei den Lilien, Darmstadts Zweitligist: Der französische Rechtsverteidiger William Mikelbrencis, 22, kommt ablösefrei vom Hamburger SV, wo er 68 Pflichtspiele bestritt, davon 26 in der vergangenen Bundesliga-Saison. Ausgebildet wurde er beim FC Metz, in Darmstadt trägt er die Rückennummer 25.

Das war die Heinerpost Nr. 11.

Bis nächsten Freitag,

Max ⚜️

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