

Mühltalbad nach der Visualisierung des Büros 1100 Architekten.
AUSGABE NR. 8 · FREITAG, 14. AUGUST 2026
Ei gude! ☕
Es geht diese Woche wieder um Wasser, diesmal um Erfreuliches.
Dazu ein für Darmstädter Verhältnisse ziemlich volles Wochenende.
Heute drin:
Eberstadt hat sein Freibad zurück, und es bleibt länger offen als sonst
Der CSD kommt am Samstag auf den Karolinenplatz, der Kunsthandwerkermarkt auf den Friedensplatz
Ein Straßentheater auf Lastenrädern macht Samstag Station am Hofgut Oberfeld
Die Lilien holen zum Auftakt ein 0:2 auf und müssen Sonntag nach Dresden
Zum Schluss: warum Darmstadt im Periodensystem steht
▌ DER AUFMACHER
Am 9. August fing der Sommer in Eberstadt an
Seit Sonntag ist das Mühltalbad wieder offen. Fast drei Jahre war es Baustelle, zwei komplette Freibadsaisons lang stand Eberstadt, der Stadtteil im Darmstädter Süden, ohne sein Freibad da. Entsprechend rechnen die Bäderbetriebe jetzt mit so viel Andrang, dass es zeitweise einen Einlassstopp geben kann.
Nutzbar sind das große 50-Meter-Becken, das Kinderbecken und die neue Rutschenanlage. Der Sprungturm bleibt bis 2027 gesperrt, Teile der Baustelle stehen bis zur nächsten Badesaison hinter Bauzäunen. Weil das Bad unter Denkmalschutz steht, war vieles Handarbeit, eine verloren gegangene Beckenumrandung musste rekonstruiert werden.
Wer es ruhiger mag, geht unter der Woche: Mittwochs öffnet das Bad schon um 7 Uhr für die, die vor der Arbeit ihre Bahnen ziehen, dienstags, donnerstags und freitags um 8, montags und am Wochenende um 9. Offen ist täglich bis 20 Uhr, die Kasse schließt um 19 Uhr; so gelten die Zeiten bis Ende August. Der Eintritt kostet 4,20 Euro, ermäßigt 2,10, dazu gibt es Familienkarten. Und weil der Start so spät kam, bleibt das Bad dafür länger offen, bis voraussichtlich Ende September, über das übliche Saisonende hinaus.
Wenn am Samstagnachmittag der Einlass stockt: Nach zwei Sommern Stille ist eine Schlange vor der Kasse vielleicht die schönste Nachricht, die es über dieses Bad geben kann.
Das heißt für dich: Mühltalstraße 72–80, mit den Buslinien NE und K 50 bis Haltestelle Schwimmbad.
▌ DAS WOCHENENDE (14.–16. AUGUST)
Der Samstag ist voll, der Sonntag ruhig.
SAMSTAG, 15. AUGUST
Christopher Street Day Darmstadt, Karolinenplatz · Aufstellung ab 10 Uhr, Demo-Start 12 Uhr vor dem Staatsarchiv, Festplatz mit Bühnenprogramm ab 14 Uhr. Demo und Festplatz kosten nichts, die offizielle Aftershowparty in der Centralstation (23 Uhr) kostet 11,90 € im Vorverkauf, 13,50 € an der Abendkasse. Die Regenbogenfahne, die seit dem 26. Juli am Rathaus weht, hängt genau bis zu diesem Samstag.
Darmstädter Kunsthandwerkermarkt, Friedensplatz · 10 bis 19 Uhr, Eröffnung 11 Uhr durch Oberbürgermeister Hanno Benz. Handwerk aus ganz Deutschland: Holz, Glas, Keramik, Metall, Stoff. Geht am Sonntag weiter, 10 bis 18 Uhr.
Just for Fun Express, Hofgut Oberfeld · 20 Uhr. Straßentheater auf Lastenrädern, Akrobatik und Handschattentheater. Eintritt kostet es keinen, am Ende geht der Hut herum.
SONNTAG, 16. AUGUST
MusenSusen: „Guck mal da! Auf den Spuren der gemalten Tiere", Jagdschloss Kranichstein · 11 bis 12 Uhr. Handpuppenführung für Kinder durch die Jagdmalerei im Schloss.
Die Lilien (SV Darmstadt 98) auswärts bei Dynamo Dresden · 13:30 Uhr. Mehr dazu unten in der Lilien-Watch.
Wenn ich an diesem Wochenende nur zu einer Sache gehen dürfte, wäre es der CSD am Nachmittag. Nicht wegen der Bühne. Sondern weil der Karolinenplatz an diesem Samstag ein paar Stunden lang allen gehört, die hinkommen.
▌ KURZ & KNAPP
Am Steinbrücker Teich wird künftig auf Nilgänse geschossen. Die Stadt hat die invasiven Nil- und Kanadagänse in dem Naherholungsgebiet im Wald bei Kranichstein zum Abschuss freigegeben, drei- bis viermal die Woche, außerhalb der Nutzungszeiten und laut Stadt unter strengen Sicherheits- und Tierschutzauflagen. Anlass sind Kot auf Spiel- und Liegewiesen, Schäden an den Ufern und aggressives Verhalten während der Brut- und Setzzeit; Versuche, die Gänse zu vertreiben, blieben laut Stadt ohne Wirkung. Nicht alle Tiere sollen weg, der Bestand soll spürbar sinken. Der NABU lehnt die Jagd grundsätzlich ab: Bei sich ausbreitenden Arten habe sie kaum Effekt auf die Zahl der Tiere.
Der Westwald erholt sich, und die Forscher sind selbst überrascht. Nach den Dürresommern 2018 und 2019 starben dort reihenweise Bäume ab. 2020 hat die Stadt den Wald aus der Nutzung genommen, seither wird kein Holz mehr entnommen, auch kein Totholz. Die Sterberate der Bäume fiel laut städtischem Waldzustandsbericht von 6,4 Prozent auf rund ein Prozent, zwischen den alten Stämmen steht junger Wald, bis zu vier Meter hoch. „Wir sind positiv überrascht“, sagte der TU-Ökologe Nico Blüthgen im Mai der hessenschau. Über den Berg ist der Wald damit nicht, er bleibt stark geschädigt. Wer im für Hessen trockensten Juli seit Messbeginn trotzdem den Eindruck hatte, es gehe nur bergab, hat hier die Gegenprobe.
▌ DER GRUSS
Die Heinerpost grüßt diese Woche die Frühschwimmer im Mühltalbad.
▌ BAUSTELLEN & BAHN
Ein paar Bus- und Bahnzeiten ändern sich bis 23. August. Linie L startet ab Heinheimer Straße zu geänderten Zeiten, M1 bekommt an Schultagen einen zusätzlichen Halt an der Pfaffenbergschule (15:45 Uhr), bei der PE entfällt bei manchen Fahrten der Halt Hahn Schulstraße. Wer diese Linien zur Schulzeit nutzt, schaut vorher in die Meldungen der HEAG mobilo.
Der Radweg nach Roßdorf soll im August fertig werden. Rund zwei Kilometer, komplett asphaltiert, mindestens drei Meter breit und künftig beleuchtet, Strecke Heinrichstraße bis zur Aschaffenburger Straße. Pendler bekommen damit eine durchgängige Verbindung.
▌ LILIEN-WATCH
Die Lilien, Darmstadts Zweitligist, haben im Auftaktspiel gegen Holstein Kiel einen 0:2-Rückstand noch aufgeholt. Die Kieler Balzi (8.) und Harres (42.) hatten getroffen, dann verkürzte Ho-Jae Lee in der 76. Minute, und Aleksandar Vukotić glich in der 86. zum 2:2 aus. Vier Neuzugänge standen dabei in der Startelf: Lance Duijvestijn, Noah Weißhaupt, Christopher Lannert und Florian Kleinhansl.
Am Sonntag geht es auswärts weiter, bei Dynamo Dresden im Rudolf-Harbig-Stadion, Anstoß 13:30 Uhr. Seit dem 12. August läuft der Mitglieder-Vorverkauf fürs Heimspiel gegen Arminia Bielefeld am 11. September.
▌ AUS DEN VIERTELN: ARHEILGEN
Diese Woche stand der Just for Fun Express am Arheilger Mühlchen: Akrobatik auf der Liegewiese am Badesee, wo sonst nur Handtücher liegen. Wer es verpasst hat: Am Samstag macht die Tour Station am Hofgut Oberfeld, siehe oben im Wochenende.
Am Samstag feiert außerdem der Hundesportverein RSGV Darmstadt-Arheilgen sein Sommerfest, ganztägig auf dem Vereinsgelände in der Weiterstädter Landstraße 40.
Dein Viertel tut was und keiner schreibt drüber? Sag Bescheid.
▌ ZUM SCHLUSS · PLANCKSTRASSE 1
„We've got it“
Am 5. Februar hat es beim Beschleunigerzentrum GSI im Norden der Stadt gebrannt. Verletzt wurde niemand, gefährlich wurde es für die Nachbarschaft nie. Aber gebrannt hat es in der elektrischen Hochspannungsversorgung des UNILAC, einer Beschleunigerröhre, die dort seit 1975 lief. Seit dem Brand steht sie still, nach Angaben von GSI „für mehrere Jahre“.
Was da stillsteht, hat der Stadt ihren Platz im Periodensystem verschafft. Das Kongresszentrum am Karolinenplatz heißt darmstadtium, nach dem Element 110, das in dieser Röhre entstanden ist. Am 9. November 1994, um 16:39 Uhr, ein einziges Atom. Gesehen hat es niemand: Die Detektoren registrierten es, die Daten landeten auf einem Magnetband, erst am nächsten Morgen sah jemand hin. Als der Physiker Sigurd Hofmann, dessen Gruppe die Versuche fuhr, gegen Mittag ins Institut kam, klopften ihm zwei Kollegen auf die Schulter: „We've got it“. So hat Hofmann es später selbst erzählt.
Sechs Elemente hat GSI in dieser Röhre erzeugt, und wenn es nicht weiterging, haben sie nie fester draufgehalten, sondern umgedacht. Zweimal war das entscheidend. Trifft der Strahl zu hart auf, wird der frisch verschmolzene Kern zu heiß und zerfällt, bevor ihn jemand messen kann; die Theorien von damals verlangten trotzdem mehr Energie. Hofmanns Gruppe ging herunter, und die Ausbeute stieg auf das Zehnfache. Und als sie durchrechneten, dass die Suche nach Element 110 ein volles Jahr Strahlzeit kosten würde, Tag und Nacht, bauten sie von 1988 bis 1993 die Apparatur um, bis dieselbe Suche in 35 Tagen zu schaffen war. Nach zwei Tagen hatten sie ihr Atom.
Der Stillstand jetzt hat seinen Preis. Das Land rechnet laut seiner Antwort auf eine Landtagsanfrage „derzeit mit bis zu 145 Millionen Euro“, verteilt auf die Jahre bis 2032; das Ministerium hat der Heinerpost am 11. August bestätigt, dass die Zahl weiter aktuell ist. Eine Brandversicherung gab es nicht, die öffentliche Hand deckt solche Schäden nach Haushaltsrecht selbst. Die Rechnung teilen sich der Bund und das Land Hessen im Verhältnis 90 zu 10. Die Stadt Darmstadt zahlt nichts davon.
Und es hängen Laufbahnen daran: etwa 45 Doktorandinnen und Doktoranden an hessischen Universitäten, rund 38 davon an der TU Darmstadt. Bis Ende 2030 soll der UNILAC repariert sein.
So lange warten will dort niemand. Auf dem Gelände steht ein Gerät namens HITRAP, das bisher Ionen abgebremst hat. Eine Arbeitsgruppe hat durchgerechnet, was am schnellsten wieder Strahl liefert, und die Antwort finde ich großartig: das Gerät umdrehen. Aus dem Bremser wird ein Beschleuniger, das Projekt heißt PARTIH, das ist HITRAP rückwärts gelesen. Bis Anfang 2027 soll es an seinem neuen Platz stehen, auch das hat GSI uns diese Woche bestätigt. Den UNILAC ersetzt das nicht. Aber es ist derselbe Griff wie damals: nicht fester draufhalten, sondern umdenken.
Diese Röhre ist nicht das Einzige da draußen. Was sonst noch läuft, davon ein andermal.
Zum Weiterlesen: die Antwort des Landes auf die Landtagsanfrage, Drucksache 21/4378 (PDF).
Das war die Heinerpost Nr. 8.
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Tipp, Event oder Fehler entdeckt? Antworte einfach auf diese Mail, sie landet direkt bei mir. Manche Fragen beantworte ich hier in der Ausgabe, dich nenne ich dabei höchstens mit Vornamen. Wenn du das nicht möchtest, schreib es einfach dazu.
Bis nächsten Freitag,
Max ⚜️