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AUSGABE NR. 12 · FREITAG, 11. SEPTEMBER 2026

Ei gude! ☕

Dieser Freitag endet um 23:55 Uhr mit Glockenläuten. Bis dahin wird hier gefeiert, gespielt und geschwiegen, teils zur selben Stunde. Danach wird es nicht ruhiger.

Heute drin:

  • Was Anwohner und Besuch ab Oktober fürs Parken zahlen

  • Wenn Gedenken und Anpfiff aufeinanderprallen

  • 76. Martinskerb: vier Tage Watzekerb, samstags die Watzemussiggnacht

  • Tag des offenen Denkmals: der stillgelegte Rangierbahnhof macht auf

  • Buchmesse, Ballett-Premiere, Bach-Chor: viel Kultur

  • Zum Schluss: warum mehr Pflegekräfte trotzdem nicht reichen

DER AUFMACHER

Ein Dienstag entscheidet über Bessungen-Süd

Am Montag, 19. Oktober, wird Bessungen-Süd zur Parkzone BE3. Wer dort am Straßenrand steht, zahlt danach 75 Cent pro halbe Stunde. Das gilt montags bis samstags von 6 bis 21 Uhr, höchstens vier Stunden am Stück. Rund 50 Automaten sollen aufgestellt werden. Zur Zone gehört auch der Parkplatz an der Orangerie. Damit ist nach Angaben der Stadt künftig der gesamte Stadtteil Bessungen vom städtischen Parkraummanagement erfasst.

Grundlage der Entscheidung ist eine einzige Zählung. An einem Dienstag im Februar 2024 ließ die Stadt 1.306 öffentliche Stellplätze in Bessungen-Süd erfassen. Je nach Tageszeit waren zwischen 77 und 91 Prozent belegt. Die beauftragten Gutachter selbst schreiben, ein zusätzlicher Werktag oder ein Wochenendtag hätte die Aussage belastbarer gemacht. Dass im Winter statt im Sommer gezählt wurde, halten sie dagegen für nicht ausschlaggebend. Das ist die ehrliche Schwachstelle, und sie steht im eigenen Gutachten der Stadt, nicht in einem Fraktionspapier.

Wer im Gebiet wohnt, kann seit dem 4. September online einen Bewohnerparkausweis beantragen, „derzeit“ 120 Euro im Jahr. Sicher ist der Preis nicht. Das Haushaltssicherungskonzept der Stadt sieht höhere Parkgebühren vor, Grüne und Linke fordern zusätzlich eine Staffelung nach Fahrzeuggröße. Eine Vorlage taucht unter diesem Stichwort im Ratsinformationssystem bisher nicht auf. Für Besuch gibt es ein Paket aus neun Tageskarten und einer Wochenkarte, zusammen 20 Euro. Das bekommst du auch, wenn du selbst kein Auto hast.

Das heißt für dich: Wohnst du zwischen Hermannstraße, Klappacher Straße, Donnersbergring und Lichtenbergschule, lohnt sich der Antrag schon jetzt, vor Beginn der Bewirtschaftung. Am Orangerie-Parkplatz gelten bis zum 19. Oktober die alten Zeiten, danach die der neuen Zone. Die Sonderregelungen für den Bessunger Markt bleiben laut Stadt bestehen. Fragen: [email protected].

WENN GEDENKEN UND ANPFIFF AUFEINANDERPRALLEN

Heute vor 82 Jahren zerstörten Bomber in einer Nacht die Darmstädter Innenstadt, das Stadtlexikon zählt 11.000 bis 12.000 Tote. Um 18:30 Uhr beginnt in der Stadtkirche der ökumenische Friedensgottesdienst zum Gedenken. Zur selben Minute pfeift der Schiedsrichter am Böllenfalltor das Spiel der Lilien, Darmstadts Zweitligist, gegen Arminia Bielefeld an.

Die Stadt wollte das nicht. Oberbürgermeister Hanno Benz hat nach eigenen Angaben die Deutsche Fußball Liga schriftlich um eine Verlegung gebeten, „um der Würde des Gedenktages vollumfänglich gerecht zu werden“. Laut Stadt lehnte die DFL aus terminlichen Gründen ab, sagte aber zu, künftig am 11. September kein Heimspiel der Lilien mehr anzusetzen. Bestätigt ist der Vorgang bislang nur von der Stadt selbst; weder der SV 98 noch die DFL haben sich dazu geäußert.

Für diesen einen Abend bleibt es bei der Überschneidung. Laut Stadt hält der SV 98 vor dem Anpfiff eine Schweigeminute. In der Stadtkirche predigt in diesem Jahr der katholische Pfarrer Matthias Becker von St. Ludwig. Schon am Vormittag zeigt die Centralstation zwei Filme für Schulklassen, ein Zeitzeugengespräch ist geplant; um 11 Uhr legt Benz einen Kranz auf dem Waldfriedhof nieder. Über den Einzigen, der damals auf dem Luisenplatz stehen blieb, haben wir schon einmal geschrieben.

Das heißt für dich: Alle Termine des Abends, vom Gottesdienst bis zum Glockenläuten um 23:55 Uhr, stehen unten in „Das Wochenende“.

LILIEN-WATCH

0:3 hieß es am vergangenen Samstag beim 1. FC Kaiserslautern, Tore für die Roten Teufel durch Sauer (43.), Tazemeta (64.) und Berisha in der Nachspielzeit. Nach vier Spieltagen haben die Lilien erst einen Punkt. Die Neuzugänge Lars Kehl und Yannik Lührs standen erstmals in der Startelf. Im DFB-Pokal geht es in der zweiten Runde auswärts zum SV Elversberg.

AUS DEM RATHAUS

Was am 17. September ansteht. Der Haupt- und Finanzausschuss hat am Donnerstag vorberaten, was die Stadtverordneten am 17. September entscheiden sollen: ein neues Buslinien-Netz zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember, darunter eine neue Linie WE3 nach Wixhausen; die Linie L wird verkürzt und fährt dafür ganztägig im 15-Minuten-Takt zwischen Schloss und Pankratiusstraße. Dazu VHS-Kurse, die um 0,50 Euro je 45 Minuten Unterricht teurer werden, und der Bebauungsplan für den geplanten Rechenzentrums-Campus in Eberstadt.

Eine abgegrenzte Fläche für die offene Drogenszene am Herrngarten steht auf derselben Tagesordnung. Was daraus wird, sehen wir uns an, wenn es entschieden ist.

DAS WOCHENENDE (11.–13. SEPTEMBER)

HEUTE

76. Martinskerb, im Viertel „Watzekerb“ genannt, heute bis Montag, Riegerplatz und umliegende Plätze. Ab 18:15 Uhr zieht der Kerbekranz mit Marschmusik vom Friedrich-Ebert-Platz zum Hahne-Schorsch-Platz, um 19 Uhr eröffnet der Bieranstich auf dem Riegerplatz die Kerb, danach spielen die „Rediostix“.

Brandnacht-Gedenkkonzert vor der Goldenen Krone, Schustergasse 18, Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr. Heiner Herchenröder singt und spielt Friedenslieder, draußen auf der Straße. Das Haus von 1656 hat die Brandnacht als einziges der alten Altstadt unbeschadet überstanden, so beschreibt es die Krone selbst.

Gedenken an die Brandnacht: 18:30 Uhr Friedensgottesdienst in der Stadtkirche, danach Schweigegang zum Kapellplatz, 20 Uhr Mahnwache. Ab 20 Uhr zeigt die Centralstation „Brandmale“ und „Running with Mum“, Eintritt frei. Um 23:55 Uhr läuten die Glocken.

SV Darmstadt 98 – Arminia Bielefeld, 18:30 Uhr, Merck-Stadion am Böllenfalltor.

Rundgang und Gespräch mit Künstlern und Sammlern, Galerie Netuschil, Schleiermacherstraße 8, 19 Uhr, 6 Euro inklusive Getränk. Der Bildhauer Thomas Duttenhoefer, der Maler Alfonso Mannella und der Bauhaus-Sammler Bernd Freese erzählen von ihrem Weg zur Kunst.

25 Jahre Starwhore mit 375 CEG und K!TSCH, Bessunger Knabenschule, Ludwigshöhstraße 42, Einlass 20:30 Uhr, Beginn 21 Uhr, 10 Euro, ermäßigt 8.

SAMSTAG

„Klischee – Die Buchmesse“, darmstadtium, Schlossgraben 1, 10 bis 17:30 Uhr, Tagesticket 12,50 Euro, Kinder bis 12 in Begleitung frei.

Kerb-Samstag: 14 Uhr 24. Watze-Boule-Turnier im Herrngartenrondell, 15 Uhr Kids-Kerb mit Kinderschminken auf dem Riegerplatz, 19:30 Uhr „Endorphine“ auf dem Festplatz, ab 21 Uhr die 29. Watzemussiggnacht in mehr als 20 Gaststätten des Viertels.

Vernissage „Werkzeuge des Anstiftens“, Friedensplatz, 14 Uhr. Die Werkbundakademie eröffnet eine Banner-Ausstellung unter freiem Himmel, Teil des WDC-Programms; danach bis zur Finissage am 8. Oktober rund um die Uhr frei zugänglich.

Am WDC-Pavillon im Carree: 11 bis 16 Uhr FLINTA*-Design-Workshop, 14 bis 16 Uhr mobile Fahrradwerkstatt des RSV Pumpe zum Mitschrauben.

„Girls* in Action“, Bessunger Knabenschule, 15 bis 19 Uhr Workshops, ab 19 Uhr offene Bühne. Für Mädchen und junge Frauen ab 14, Eintritt frei.

Staatstheater: Premiere „Nachtträume“, 19:30 Uhr, Großes Haus, Choreografie Marcos Morau, 15 bis 70 Euro, empfohlen ab 14 Jahren. Parallel „Beute“, eine Farce von Joe Orton, 20 Uhr, Kammerspiele.

POSTYR & VOCALIVE, Centralstation, 20 Uhr. Die dänische Vocal Band Postyr trifft das Griesheimer Vokalensemble Vocalive.

SONNTAG

Tag des offenen Denkmals: Rangierbahnhof Kranichstein, Steinstraße 7, 10 bis 16 Uhr. Darmstadt öffnet dafür ein Gelände, das sonst zu ist, stillgelegt seit 2002. Vier kostenfreie Führungen um 10:15, 11:45, 13:30 und 15 Uhr, jede von Eisenbahnmuseum und Denkmalschutzbehörde gemeinsam: Kerngelände und Lokschuppen, Stellwerksturm R1 (60 Stufen), Ringlokschuppen mit Werkstatt, Culemeyer-Straßenroller. Ab 14 Jahren, Voranmeldung über bahnwelt.de, barrierefrei nur die Culemeyer-Führung. Zweiter Ort: das Ökumenische Gemeindezentrum Kranichstein, Bartningstraße 40, 12 bis 18 Uhr, Führungen und Videoprojektionen, 16 bis 18 Uhr Konzert.

Mathildenhöhe, an diesem Sonntag umsonst: Zum Denkmaltag kostet der Eintritt ins Museum Künstlerkolonie und ins Ausstellungsgebäude mit „A Step Ahead – 125 Jahre Mathildenhöhe Darmstadt“ nichts; die Mathildenhöhe Card entfällt dafür an dem Tag. Wer geführt werden will: „Das Große Haus Glückert: Wohn(t)räume der Jahrhundertwende“, 11, 13 und 16:30 Uhr, 90 Minuten, 14,50 Euro (ermäßigt 11), nur im Vorverkauf, Treffpunkt vor dem Haus im Alexandraweg. Stufenlos ist der Zugang dort nicht. In dasselbe Haus zieht schon am Samstag der Infopoint zurück, samstags und sonntags 10 bis 17 Uhr.

Bildhauerdynastie Scholl, die „Darmstädter Linie“, Rundgang mit Karl Heinz Fröhner, 14 Uhr, Eintritt frei. Der Stadtteil-Historiker der Dotter-Stiftung folgt der Spur einer Familie, deren Arbeiten bis heute in der Stadt stehen. Als Treffpunkt nennt die Stiftung „Moller-Haus (Logen)“, eine Adresse gibt sie nicht an.

Kerb-Sonntag: 10 Uhr ökumenischer Festgottesdienst auf dem Riegerplatz, 14:30 Uhr der große Festzug durchs Viertel mit anschließender Übergabe der Zugmedaillen, ab 17 Uhr 90er-Party.

Hallen-Flohmarkt in der Knabenschule, 12 bis 16 Uhr, Eintritt frei. Dritte Auflage, drinnen, mit Kaffee und Kuchen.

Cavalleria rusticana / Pagliacci, Staatstheater, Großes Haus, 16 Uhr, 15 bis 85 Euro. Zwei Kurzopern an einem Abend, gut drei Stunden.

Mendelssohns „Paulus“, Bach-Chor Darmstadt mit der Darmstädter Kammerphilharmonie, Gemeindezentrum Marienhöhe, Auf der Marienhöhe 57, 18 Uhr. Vorverkauf im Rathausfoyer, Luisenstraße 12, Kinder unter 15 frei.

Zum Ausklang: 17 Uhr singt Vocalive mit dem Nachwuchschor Vocal Spirits in der Centralstation. Ab 20 Uhr steht im Carree das Wanderkino, ein Oldtimer-Feuerwehrauto mit Leinwand und Projektor, und zeigt „Laster der Nacht“. Am Pavillon davor: 14 bis 17 Uhr Siebdruck-Workshop, 18 bis 20 Uhr tippt „Frau Blank“ Gedichte auf der Schreibmaschine.

SCHON VORMERKEN

17.–21. September: Bessunger Kerb an der Orangerie, der zweite große Kerb-Termin des Monats nach der Martinskerb.

Sa, 19. September, 16–23 Uhr: „One Last Dance“, Abschlussfest des WDC-Pavillons am Carree.

KURZ & KNAPP

Das SCIENCE POP-UP von GSI/FAIR in der Ernst-Ludwig-Straße 22 hat einen langfristigen Mietvertrag. In den Sommerferien kamen über 1.200 Besucher, für Schulklassen sind wieder Termine buchbar.

Das Naturbad Arheilger Mühlchen ist nach gesunkenen Cyanobakterien-Werten wieder zum Baden freigegeben, allerdings nur noch bis einschließlich Sonntag. Die Sichttiefe im Wasser bleibt eingeschränkt.

Das Kaffeehaus am Waldfriedhof hat nach gut einem Jahr Umbau wegen Brandschutz wieder geöffnet, montags bis freitags 10 bis 17 Uhr, nur Barzahlung. Seit 2014 arbeiten dort Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, Betreiber sind die Darmstädter Werkstätten.

Nachtrag zu Nr. 11. Über die Bewerbung der Region um den Design-Titel schrieben wir, die Werkbundakademie Darmstadt habe 2014 mit Flyern auf Frankfurter Veranstaltungen dafür geworben. Die Vorsitzende der Akademie schreibt uns, das greife zu kurz: Vorausgegangen seien Jahre mit Workshops und Treffen, dazu eine Broschüre zu den Designinstitutionen der Region. Gern notiert. Ihre Ausstellung steht oben im Wochenende.

DER GRUSS

Die Heinerpost grüßt diese Woche die Kastanien im Herrngarten, die jetzt wieder auf Fußgänger zielen.

BAUSTELLEN & BAHN

Magdalenenstraße: noch bis voraussichtlich 18. September nur als Einbahnstraße befahrbar, Umleitung über Schloßgarten- und Pallaswiesenstraße.

Beckstraße: seit Mittwoch und noch bis voraussichtlich 25. September voll gesperrt zwischen Roßdörfer Straße und Soderstraße, auch für Anlieger.

Flughafen-Bus AirLiner: hält seit Montag dauerhaft an Steig 11 vor Terminal 1, Steig 25 entfällt.

Am Sonntag entfallen wegen des Kerb-Festzugs im Martinsviertel zeitweise die Haltestellen Friedrich-Ebert-Straße, Heinheimer Straße und Pankratiusstraße. Alle Meldungen stehen bei HEAG mobilo.

ZUM SCHLUSS · IM ALICE-HOSPITAL

Der Beruf wächst. Er wächst nur zu langsam.

Wer in Darmstadt „Büchner“ hört, denkt an den Bruder, den Dichter Georg Büchner. Dabei trägt seine Schwester Luise hier eine Bibliothek, eine Gesellschaft und einen Preis. Nur an der Sache, die sie in ihrem ersten Buch verlangt hat, hängt ihr Name nirgends.

Luise Büchner, Schriftstellerin, Tochter und Schwester zweier Ärzte, schrieb schon 1855 in ihrem Buch „Die Frauen und ihr Beruf“, wie einseitig die Tugend sei, die ein gebildetes Mädchen Tag für Tag ans Bett von Kranken und Sterbenden fessele, wo doch „eine, für diesen Beruf erzogene, Hand eben so liebreich verpflegen würde“. Pflege war damals unbezahlt und meist kirchlich gebunden. Eine Tugend, keine Ausbildung.

Zwölf Jahre später wurde daraus eine Einrichtung. Am 1. Juni 1867 rief Prinzessin Alice, die zweite Tochter der englischen Königin Victoria, zur Gründung eines Frauenvereins für Krankenpflege auf. Der bildete aus: vier bis sechs Monate, Prüfung, Diplom. Wer bestand, wurde nicht mehr von den Patienten und ihren Familien bezahlt oder beschenkt, sondern bekam ein festes Jahresgehalt vom Verein oder vom Hospital, dazu Versorgung und freie Unterkunft bei Krankheit und im Alter. Die gesetzliche Krankenversicherung beschloss der Reichstag erst sechzehn Jahre später, und zunächst nur für Arbeiter. Pflege war jetzt ein Lebensberuf.

Im September 1869 gab sich der Verein den Namen der Prinzessin. Im Vorstand saß Büchner nicht, das hält ihre Biografin Cordelia Scharpf ausdrücklich fest. Vizepräsidentin war sie im anderen Verein, dem zur Förderung weiblicher Industrie, aus dem später der Alice-Verein für Frauenbildung wurde. Und sie war es, die im November 1869 in Berlin einer Frauenkonferenz erklärte, wie man Pflegerinnen außerhalb der Kirche ausbildet. Weder der Verein noch das Hospital tragen ihren Namen.

Am 8. Dezember 1883 wurde das Alice-Hospital eröffnet, hervorgegangen aus einem Reservelazarett des Deutsch-Französischen Krieges und benannt nach der inzwischen gestorbenen Großherzogin. Heute ist es ein Krankenhaus mit rund 140 Betten.

Ich kenne das Haus nicht nur von außen. Vergangene Woche war ich selbst dort, eine kleine Untersuchung, mehr nicht. Und mit den Kindern saß ich vorher schon nebenan in den Kinderkliniken, wo niemand freiwillig hingeht. Was von solchen Terminen bleibt, ist Dankbarkeit. Nicht gegenüber einem Gebäude.

Warum mich das gerade jetzt beschäftigt, steht in einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit, über die diese Woche mehrere Redaktionen berichtet haben. Genauer wird das Deutsche Krankenhausinstitut.

Sein Fachkräftemonitoring für die Deutsche Krankenhausgesellschaft, erschienen im März, sagt: Bei keiner Berufsgruppe melden so viele Krankenhäuser Besetzungsprobleme wie beim Pflegepersonal der Intensivstationen. Auf den Allgemeinstationen sind es in den betroffenen Häusern im Schnitt 18 unbesetzte Stellen. Für Hessen sagt die Bundesagentur dasselbe: Pflege zählt hier weiter zu den Engpassberufen.

Wer hier eine einfache Verfallsgeschichte erwartet, liegt falsch. Derselbe Bericht hält dagegen. Der Pflegedienst in deutschen Krankenhäusern ist seit 2018 gewachsen, nicht geschrumpft, und 2024 starteten mehr als 59.000 Menschen die neue Ausbildung. Der Beruf schrumpft nicht. Er wächst nur langsamer als der Bedarf. Vor allem, weil 2023 ein knappes Viertel aller Krankenhausbeschäftigten 55 Jahre oder älter war.

Am 1. Oktober beginnt im Alice-Hospital wieder eine Ausbildungsklasse zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann. Was Luise Büchner verlangt hat, gibt es also längst: Hände, die für diesen Beruf erzogen werden. Ihre Forderung ist erfüllt. Sie reicht nur nicht mehr.

Die Zahlen dazu: Im Fachkräftemonitoring des Deutschen Krankenhausinstituts (befragt wurden Häuser ab 100 Betten) nennen 72 Prozent die Besetzung von Intensivpflegestellen ein Problem, den höchsten Wert aller Berufsgruppen im Haus; auf Allgemeinstationen sind es 66 Prozent. Der Pflegedienst wuchs zwischen 2018 und 2024 um 23 Prozent der Vollzeitstellen.

Das war die Heinerpost Nr. 12.

Bis nächsten Freitag,

Max ⚜️

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